Es war einmal....

Eigentlich beginnen so immer die Märchen, doch mehr als 120 Jahre Preziosa ist die Wirklichkeit. Angefangen hat alles mit der Gründung des sogenannten "Dilettanten- Vereins" im Jahre 1889 durch sieben junge Männer, die in einer Gaststätte an der Vosskuhlstraße in Stiepel die Preciosa (damals noch mit c geschrieben) aus der Taufe gehoben haben. Man spielte unter schwierigsten Bedingungen und an eine Bühne oder Requisiten war gar nicht zu denken.

Sie existiert heute noch, mit den Insignien  "Dilettanten - Verein Preciosa.

Dann ergab es sich, dass man in der Aula der Albert- Einstein- Schule Märchenaufführungen wie "Hänsel und Gretel", Dornröschen", "Der Froschkönig" usw. zur Auffühung bringen konnte, die auch großen Anklang bei den Mitarbeiterkindern namhafter Bochumer Firmen fanden(Bgestra, Stadtwerke u.a.). Heute ist man dazu übergegangen jedes Jahr im Oktober/ November einen Dreiakter auf die Bühne zu bringen, was dem Verein bisher immer ein volles Haus bescherte.

 

Linker Abschnitt

Neues Tagblatt im Jahr 1939

Wenn wir heute durch die Straßen gehen, leuchten uns überall farbenfreudige Plakate entgegen die mit verlockenden Worten auf Unterhaltungsstätten aller Art hinweisen. Die Auswahl ist so reichhaltig und vielseitig, daß wir uns kaum entscheiden können, welche   Unterhaltungsstätte wir besuchen sollen. Wir nehmen diese Tatsache  heute als eine Selbstverständlichkeit hin. Das war aber nicht immer so. Denn als Bochum noch ein kleines Ackerstädtchen war und die heute zu Bochum zählenden Stadtteile mehr oder weniger selbstständige Gemeinden bildete, waren in den meisten Fällen die Stammtische die Unterhaltungs-stätten wo man seinen Abend verbrachte. Vielfach betätigten sich unsere Väter und Großväter auch in den damals wie Pilze aus der Erde sprießenden Gesangvereinen.

Kinos gab es vor 50 Jahren noch nicht. Wohl hatten wir ein Stadttheater in Bochum, das sich damals an der Rottstraße befand, sich aber keines guten Besuches erfreute.

Besonders die Stiepeler Bevölkerung dachte gar nicht daran, den weiten Weg nach Bochum zu machen, um hier Unterhaltung zu suchen, da die Straßenbahn zu dieser Zeit noch nicht bis Stiepel fuhr. Mit dem Wachsen der Einwohnerzahl in den 80er und 90er Jahren stieg auch zum Beispiel in Stiepel das Bedürfnis nach Unterhaltung. Als im Jahre 1888 in Stiepel ein auswärtiger Theaterverein ein Gastspiel gab, war ganz Stiepel begeistert, aber doch nicht so, daß man die auswärtigen Gäste noch öfter in Stiepel sehen wollte.

Nein, Stiepel war von jeher selbständig und wollte seine Selbständigkeit bewahren und nicht von "Auswärtigen" abhängig sein. Die Stiepeler hatten nun einmal was gesehen und grübelten Tag und Nacht darüber nach, ob sie nicht auch solch einen Theaterverein gründen konnten. Einer von den heute noch lebenden Gründern sagte:

"Was die können, können wir schon lange". Wir wollen doch mal sehen, ob wir das auch nicht so gut können als die. Wir machen selbst einen Theaterverein auf, dann brauchen wir nicht so weit zu laufen und das Geld bleibt in der Gemeinde.

 

Rechter Abschnitt

Neues Tagblatt im Jahr 1939

Gesagt, getan! Eines Tages- es war im Jahre 1889- fanden sich in der Gaststätte Hellmich Frese, auf der Voßkuhle, einige Siepler Bürger ein, die sich mit dem ernsthaften Gedanken befaßten, die so leicht daher gesagten Worte in die Tat umzusetzen und einen Theaterverein ins Leben zu rufen.

Lebenslustig und Tatendurstig waren die Männer damals, das musste man ihnen nachsagen, den sie hatten damals noch keine rechte  Vorstellung von dem, was sie da planten. Aber man hatte es sich in den Kopf gesetzt, selbst Theater zu spielen, und dabei blieb es eben. Zunächst wurde dem Verein der verheißungsvolle Name"Preciosa" gegeben und dann beratschlagte man lange Zeit darüber, welche Theaterstücke aufführen sollte und alles was dazu gehört, um an die Öffentlichkeit treten zu können.

Obwohl man noch keine Ahnung davon hatte, wie es hinter den Kulissen und auf der Bühne zugeht, arbeitete man still im Verborgenen, bis eines Tages die Kunde von Mund zu Mund ging, daß an dem und an dem Sonntag der neugegründete Theaterverein "Preciosa" bei Hellmich Frese, auf der Voßkuhle, seine erste Theatervorstellung veranstalten würde.

Nun zeigte es sich, daß die Gründer des Vereins das Richtige getroffen hatten. Aus allen Teilen Stiepels kamen Freunde, Gönner und Neugierige, um sich einmal die Sache näher anzusehen. Die erste Vorstellung zeigte zwar, daß man noch viel lernen musste, um alle Zuschauer zufrieden-zustellen, denn mehr als einmal gab es ein großes Gelächter bei ersten Szenen. Aber das konnte die Mitglieder nicht entmutigen. Mit Liebe und Eifer gingen sie erneut ans Werk. Sie wollten doch mal sehen, ob sie es nicht genau so gut machten wie die "Auswärtigen". Jede freie Minute wurde ausgenutzt die Rolle auswendig zu lernen, oftmals zum Leidwesen der Bauern, die ihren Sohn oder Knecht irgendwo auf dem Felde oder im Stall beim eifrigen Studieren ihrer Rollen antrafen. Dank der Willenskraft aller "Precioser" ging der Wunsch in Erfüllung. Die Liebe zum Theaterspielen hatte immer wieder neue Mitglieder angelockt, die sich dazu berufen fühlten, einst "Heldendarsteller" zu werden, so daß der Spielleiter beim Verteilen der Rollen eine reiche Auswahl hatte.

     Das Gründungslokal (links): Gaststätte Hellmich Freese auf der Voßkuhlstraße.               Letzte eigene Spielstätte der Preziosa (rechts): Lokal Rumberg

Ende der 70er Jahre wurde dann beschlossen, eine jährliche Große Prunksitzung, die bis heute immer am Karnevalssamstag im Saalbau Spitz/ Hoffstiepel in Bochum- Stiepel stattfindet, ins Programm aufzunehmen. Das Programm wird mit sehr vielen Darbietungen aus den eigenen Reihen der Preziosa bestritten und ist über die Grenzen Bochums hinaus ein Begriff geworden, die Karten finden gewöhnlich schon früh reißenden Absatz.

Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass der Verein seit dem Jahr 1891 eine Vereinsfahne hat, (siehe Bildmaterial) die heute noch existiert und schon in verschiedenen Ausstellungen zu sehen war.

 

 

 Natürlich gibt es auch Wünsche für die Zukunft. Um auch noch viele Jahre Komödien und Karnevalsveranstaltungen durchführen zu können, wäre eine Verstärkung der Spielschar notwendig und so ist jeder herzlich willkommen, der Spaß am Laienspiel oder an Karneval hat. Auch der Wunsch nach einer eigenen Spielstätte ist weiterhin lebendig. Vielleicht gehen die Wünsche ja irgendwann in Erfüllung.

Ihr Theaterverein Preziosa 1889     Bochum - Stiepel

  

Die Preziosa hat Geburtstag - wir werden 125 Jahre jung

Der Theaterverein Preziosa 1889 Bochum-Stiepel feierte 2014 seinen Geburtstag im 
Saal Haus "Spitz"

Mit einer großen Feier im Saal Haus Spitz beging der Theaterverein Preziosa 1889 Bochum-Stiepel am 20. September 2014 sein 125jähriges Jubiläum.

Der Verein hatte alle Mitglieder, die auch zahlreich erschienen waren, zu diesem Ereignis eingeladen. Gäste aus Politik, Kirche und Vertreter der Presse waren ebenso zugegen wie die Abordnungen der Nachbarvereine aus dem Bochumer Süden und der Vertreter der karnevalistischen Zunft.

Die Musikschule Bochum und der Stiepeler Gospelchor Children of Light eröffneten das Programm und ernteten von den Anwesenden viel Beifall. Der 1. Vorsitzende Helmuth Pohl begrüßte alle Anwesenden bevor MdB Axel Schäfer als Festredner fungierte. Aber auch die Oberbürgermeisterin Frau Dr. Scholz und die Vertreter der Vereine fanden anerkennende Worte für die 125 Jahre der Preziosa.

Im Rahmen des Festprogramms gab es dann noch eine Jubilarehrung - und hier hat die Preziosa einige Mitglieder die 25 Jahre, 40 Jahre und mehr dem Verein angehören. Ältestes Mitglied ist der Ehrenvorsitzende Paul Degener, der 68 Jahre dem Verein angehört. Mit einer Urkunde und einem kleinen Präsent bedankte der Verein sich bei allen für die Treue zur Preziosa über die vielen Jahre.

Den Abschluss des Programms machten dann die Theatergruppe mit einem Sketch „Duo Spezial“ und die Karnevalsgruppe mit der Parodie „Die drei Tenöre“. Hier hatten natürlich alle Anwesenden ihren Spaß und spendeten viel Applaus.

Mit einem gemeinsamen Abendessen aller Gäste und einem anschließenden gemütlichen Beisammensitzen klang der Abend aus. Natürlich hoffen die Verantwortlichen der Preziosa, die mit viel Zeit und Einsatzbereitschaft diesen besonderen Tag vorbereitet hatten, dass es allen gefallen hat, denn 125 Jahre jung wird man nicht alle Tage.

 


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